Interview mit Sien van Boven, Gründerin von Lentl


Wir haben Sien am Jahresevent der Anwaltskanzlei Zander & Lenz (Luzern) kennengelernt und waren begeistert. Nicht nur vom vielseitigen Event, sondern auch von der engagierten Gründungsgeschichte, die die sympathische und humorvolle Sien in einem Gastreferat vorstellte. Erst 2025 in Luzern gegründet, wurde sie mit ihrem Start-up Lentl, das minimal verarbeitete Lebensmittel auf Linsenbasis herstellt, von der Luzerner Kantonalbank mit dem Innovationspreis im Bereich Ökologie ausgezeichnet.  

Welche Ambitionen sie hat und welche Ziele sie verfolgt, möchten wir in unserem folgenden, inspirierenden Interview vorstellen.  Übrigens, der Linsenaufstrich ist äusserst lecker!

Sien van Boven, Gründerin von Lentl © Foto: Thilo Müller
Sien van Boven, Gründerin von Lentl © Foto: Thilo Müller

Was ist das Besondere an deinem Tiny Startup?

Lentl ist ein Food-Start-up, das den Begriff der Innovation in der Lebensmittelindustrie neu definiert. Denn bei uns bedeutet Innovation nicht Hightech, sondern etwas zurückbringen, das schon immer da war: die Linse. Seit der ersten landwirtschaftlichen Revolution vor rund 12.000 Jahren zählen Linsen zu unseren Grundnahrungsmitteln. Doch sie standen viel zu lange im Hintergrund, und das wollen wir ändern. Wir holen die Linse ins Rampenlicht und machen sie so cool und sexy, dass sich alle in sie verlieben.

Lentl: Die Linse als Superfood © Foto: Thilo Müller
Lentl: Die Linse als Superfood © Foto: Thilo Müller

Wie bist du zu deiner Geschäftsidee gekommen?

Vor ein paar Jahren habe ich entdeckt, dass Linsen echte Superfoods sind: sowohl für die Umwelt als auch für die Gesundheit. Wenn Menschen mehr Linsen essen, profitieren sie selbst und der Planet. Ein win-win also.

Viele kennen zwar die Vorteile, aber sie essen dennoch selten Linsen. Bei meiner Recherche stellte ich fest, dass das vor allem daran liegt, dass die Zubereitung für viele eine Hürde ist: Die Kochzeit ist zu lang, ihnen fehlen Rezeptideen jenseits von indischem Curry, oder sie glauben, Linsen schmeckten sowieso nicht gut oder sähen auf dem Teller nicht ansprechend aus.

Lentl © Foto: Thilo Müller
Lentl © Foto: Thilo Müller

Diese Barrieren wollte ich lösen mit köstlichen Produkten, die es den Menschen leicht machen, mehr Linsen in ihren Alltag zu integrieren. Für unsere Produkte werden nur natürliche Verarbeitungsmethoden verwendet, sie sind reich an Protein, Ballaststoffen, und Eisen. Sie zeigen, dass lecker und gesund kein Kompromiss sein muss.

Lentl THE SPREAD © Foto: Thilo Müller
Lentl THE SPREAD © Foto: Thilo Müller

Was macht dich an deiner Selbstständigkeit glücklich?

Einerseits liebe ich es, dass meine Arbeit sehr vielfältig ist. An einem Tag bin ich Marketingmanager, am nächsten CFO. So kann ich mich in verschiedene Richtungen weiterentwickeln. Andererseits hat mir Lentl eine Plattform gegeben, um andere zu inspirieren, sich für eine Karriere zu entscheiden, in der sie einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten können. Zudem kann ich mit Lentl zeigen, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können.

Lentl © Foto: Thilo Müller
Lentl © Foto: Thilo Müller

Welche Ziele hast du mit Lentl?

Ich strebe danach, eine der führenden Food-Marken Europas zu werden – nicht wegen des finanziellen Erfolgs, sondern um folgende drei grössere Ziele zu erreichen:

1. Mehr Hülsenfrüchte auf unseren Tellern: Ich möchte dazu beitragen, dass der Verzehr von Hülsenfrüchten in der westlichen Küche deutlich steigt: idealerweise auf durchschnittlich zwei Portionen pro Woche.

2. Weniger hochverarbeitete Lebensmittel: Ich möchte einen Wandel hin zu natürlicheren, weniger verarbeiteten Produkten unterstützen: weniger Tech, mehr echte Lebensmittel.

3. Purpose-driven Work als Standard: Ich möchte dazu inspirieren, dass sinnorientiertes Arbeiten die neue Norm wird.


Interview 2026 © Autorenduo Prof. Veronika Bellone & Thomas Matla für www.tinystartup.ch