Reparieren, statt Neukauf. Das spart Wertstoffe und Co2 ein und hält Produkte länger im Kreislauf. Eigentlich eine Binsenweisheit. Dennoch macht es mich immer wieder selber froh, Produkte repariert zurückzubekommen. Wie beispielsweise meine "abgelaufenen" österreichischen Waldviertler-Schuhe, die mich durch viele europäische Städte, wie Berlin, London, Paris, Mailand und Zürich, begleitet und unterstützt haben. Nun sind sie wieder von Meisterhand besohlt, geputzt und auf Hochglanz poliert und bereit für neue Stadtwanderungen. Vielen Dank an den Schuhmachermeister, der nicht genannt werden will (auch das gibt es noch).

Wie sieht er aus, der Schweizer Schuh-Reparaturmarkt?
Es ist ein Nischenmarkt, der sich grob in drei Bereiche gliedert:
Den ersten Bereich dominieren klassisch spezialisierte Schuhmacher, die sich auf den Aufbau von Massschuhen und auf komplexe Schuhreparaturen konzentrieren. Diese Vertreter, so sie Durchschnittsleistungen anbieten, gelten als bedroht. Einerseits altern sie selbst, viele haben die 60-Jahre-Marke bereits überschritten, andererseits macht sich der Fachkräftemangel hier drastisch bemerkbar, finden sich doch kaum Lehrlinge. Pro Jahr schliessen in der gesamten Schweiz nur eine Handvoll ihre Lehre ab (0-3!). Der Durchschnittslohn für Berufseinsteiger liegt zwischen 58’ und 67'000 CHF.
Gut aufgestellte Anbieter und Leuchttürme der Branche sind:
Die Schuhmacherei De Santis, seit 1972 in Dübendorf bei Zürich. Sie wird in zweiter Generation geführt.
Die HUWYLER SCHUHMACHEREI, die einzige Schuhreparaturfabrik Europas. Ihr Hauptsitz ist in Schlieren, mit Standorten in Zürich-Bellevue, Basel-Rümelinsplatz und Bern-Marktgasse.
Den zweiten Bereich bilden die Schnellreparaturdienste. Sie sind häufig an hochfrequenten Bahnhöfen und in Einkaufszentren zu finden. Hier dominieren Ketten und Franchisesysteme, wie MISTER MINIT.
Das dritte Schuhreparatur-Segment umfasst Orthopädie-Schuhtechnik, wie das Unternehmen DynaFeet, aus dem Kanton Aargau. Dabei handelt es sich um einen stabilen Teilmarkt, der medizinisch notwendige Anpassungen und Reparaturen vornimmt.
Die wirtschaftlich bedeutendste Schuhmacherei der Schweiz?
Das Schnellreparatur-Franchisesystem MISTER MINIT (Schweiz) AG, 1957 gegründet, verfügt über 69 Jahre Erfahrungen und international über 650 Standorte. Schweizweit betreibt MISTER MINIT ca. 80 Shops, mit ca. 35 selbstständigen Franchisepartnern. Die schnellen, einfachen und sofortigen Lösungen umfassen die Servicebereiche Schuhreparaturen (mehr als 2 Millionen), Schlüsselduplikate (mehr als 5 Millionen), Uhrenservice, Smartphone-Reparatur, Gravuren und weitere Services. Insofern ist die wirtschaftliche Bedeutung rein im Schuhreparaturbereich eingeschränkt zu betrachten. MISTER MINIT (Schweiz) AG ist flächendeckend vertreten, generiert ein höheres Transaktionsvolumen, als spezialisierte Handwerker, und ist Marktführer in Schuh-Sofortreparatur. Seinen Hauptumsatz wird durch massenhafte Kleinreparaturen erzielt, wobei das MISTER MINIT-Angebot stetig an sich verändernde Trends angepasst wird.
Das grösste Markenprestige
Bezogen auf die historische Relevanz und das Markenprestige, ist die Bally Schuhfabriken AG (Schönenwerd) der wichtigste Akteur. Eigentlich ist Bally primär ein globaler Luxusgüterhersteller. Das Unternehmen ist jedoch sehr nachhaltig aufgestellt, veröffentlicht regelmässig Nachhaltigkeitsberichte und betreibt das bedeutendste professionelle Service-Center für die Aufarbeitung hochwertiger Lederschuhe in der Schweiz.

Als Bellone Franchise Consultants fällt uns natürlich auf, dass einerseits Trends, wie die Nachhaltigkeit und das Recht auf Reparatur auch den Schuh-Reparaturmarkt befeuern, es andererseits aber durchaus noch an relevanten Franchise-Angeboten fehlt. Gern stehen wir nachhaltig ausgerichteten Unternehmen, die sich in diesem Handwerksbereich einbringen wollen, konzeptionell und strategisch beratend und coachend zur Verfügung. Wir haben uns mit unserem Greenfranchise Lab auf die Franchisierung von nachhaltigen Angeboten von Tiny Start-ups und Kleinunternehmen spezialisiert.


